7. November: Bad Bederkesa

nach Bad Bederkesa: Stadtrundgang, überflutete Ufer, Rundgang um den See
(Ziel: Tina Jonas)

Tina und Lars bringen uns per Auto zum Bahnhof. Wir besteigen den Zug in Ritterhude Richtung Bremerhaven bei sonnigem Novemberwetter. Es ist über Nacht kalt geworden, die Handschuhe müssen her, Kopfbedeckung folgt später. Ich war schon sehr oft hier in Urlaub, wohl mehr als 15 Jahre lang, aber noch nie mit öffentlichen Verkehrsmitteln und noch nie im Herbst, das sind neue Erfahrungen. Der Fahrer des Busses nach Bederkesa weiß nicht, wie er mit unseren Bahnkarten umgehen soll, anerkennen oder nicht? Wir handeln mit ihm 25 % Rabatt auf den normalen Fahrpreis raus.
Bederkesa ist nach zwei eigenen Orten endlich wieder ein “Ort der Erinnerung”, also der Auftrag einer Ideengeberin, nämlich der meiner Tochter Tina. Wir waren so oft gemeinsam hier in ihren Kindertagen in Urlaub, dass sie sich wünscht, dass wir für sie hierhin fahren und uns auf eine Bank am See setzen sollen, auf der ich mit ihr 2003 beim letzten gemeinsamen Urlaub gesessen habe. Diesem Auftrag folge ich sehr gerne, da mir das platte Land, die direkte Art der Menschen, die rauhe Natur zur Heimat geworden sind, die ich in der Pfalz, wo wir wohnen, vermisse.
Extra für unsere Ankunft hat Bederkesa sich entschieden, uns einen großen Empfang zu bereiten: die neu als verkehrsberuhigte Zone gestaltete Hauptstraße wird durch Ministerpräsident McAllister, immer noch ein Beerster Einwohner, eingeweiht. Diesen Festakt verpassen wir, aber den verkaufsoffenen Sonntag, der ein Mal im Monat stattfindet, nicht. So oft hätte das die Geschäftswelt in LU gerne, und besonders die in MA. Es ist ein „Bad“-Privileg. Wir erfahren, dass der Zusatz “Bad” auf der Kippe stand, deshalb diese Verschönerungsaktionen ebenso wie Aufräummassnahmen im “Kurpark”, damit er nicht für eine „nasse Wiese“ gehalten wird.
Endlich erreichen wir durch all das Getümmel den See, und eine Überraschung: die Bank steht im Hochwasser, wir würden nasse Füße bekommen, wenn wir uns drauf setzen würden, aber von einem etwas entfernterem Standort läßt sie sich gut fotografieren. Wir entscheiden uns für den sieben Kilometer langen Rundweg um den See, und wir beeilen uns, denn nach der Zeitumstellung wird es schon in zwei Stunden dunkel. Ich bin total begeistert von der Lichtstimmung des Herbstes, so habe ich den Rundweg um den See, der immer nach der Ankunft unser erster Ausflug war, noch nie erlebt.
Beim Rückweg durch den Ort ist noch immer “verkaufsoffen” angesagt, Apotheker André Koelbel berät uns erstklassig und gibt uns noch ein Interview.
Wir genießen nach dem Bremer Etap-Hotel das Wellness-Angebot im Hotel Bösehof und ich esse zum dritten Mal Grünkohl kurz hintereinander, Joachim erstmals Bremer Knipp und ist begeistert.

Veröffentlicht unter Ziel Ideengeber | Verschlagwortet mit , , , , , , | 2 Kommentare

6. November: SlowFisch Bremen

Vom Etap-Hotel Bremen-Süd zur Slow-Fisch-Messe, Übernachtung bei Freunden

Wir erwachen im Etap-Hotel, dass sich “Bremen-City-Süd” nennt. Vom Hauptbahnhof ist es immerhin elf Busstopps und einmal Umsteigen entfernt. Die “City-Süd” besteht aus Mc Donald, BMW, Conrad und Baumarkt. Wir werden immerhin durch den Anblick des kleinen Krimpelsees entschädigt.
Bei der Ankunft am Hauptbahnhof gibt es ergiebigen „Mairegen“ – so warm ist es. Wir haben schon Übung: richtige Gepäckfachgröße, passendes Kleingeld und ab geht es durch den Hauptbahnhof zum nahegelegenen Messegelände, das die SlowFisch-Messe beherbergt.
Wir wissen nicht, wieviel Fisch und anderes uns erwartet, wir sind neugierig auf unseren ersten Slow-Fisch-Besuch.
Uns begrüßt ein fotogener holländischer Wild-Wattenaustern-Verkäufer, ausgestattet mit passendem Handschuh, Werkzeug und Tätowierungen am Arm, das macht was her, läßt Seeluft atmen. Zwei junge Damen lassen sich von ihm umgarnen und finden Austern geil, obwohl sie eigentlich damit bisher keinen Kontakt hatten. Direkt daneben werden eingelegte italienische Sardinen ähnlich einer Torte in schwindelerregender Höhe säuberlich aufeinandergeschichtet, das imponiert den auf deutsche Ordnung gepolten Besucher, nicht mal eine ordentlich hohe Schwarzwälder Kirschtorte kann damit konkurrieren, und dieser silberne fischige Glanz fehlt eben. Gleich danach gibt es Artländer Bier aus dem Norden und direkt gegenüber präsentiert eine Jungwinzervereinigung mit Namen “Stilecht” Wein aus dem Süden, genauer der Pfalz, der genauso gut mundet wie das Bier von gegenüber – für Joachim den Wein, für mich das Bier. Und dann kommt der sehenswerteste Teil der Messe überhaupt: die heimischen Fische auf Eis gelegt im Original, ganz frisch gefangen, noch aussehend wie lebendig, in ihrer vollen natürlichen Größe, man sieht, wie platt die Scholle ist. Und die großen Seeteufel und langen Schwertfische – die Besucher stehen in einer Reihe Schlange und staunen so wie wir. Wie Fische gefangen werden und wie fischartenschonend-verträglich das ist, ist auch ein Thema der Messe, ebenso wie das Angeln von Fischen. Ansonsten werden noch verschiedene Räucherfische, Fischgerichte, Käse, Honig, Spirituosen und auch viel Wurst wie die Kasseler Ahle Worscht von Rohde angeboten.
Um 15 Uhr haben wir ein Geschmackserlebnis zur Geschmackssensorik von Fischen gebucht, das einzige der Verkostungsseminare, das ausgebucht ist. Anscheinend kennen die Menschen hier vor Ort ihren Fisch und wissen die Qualität zu würdigen. Wir probieren Seelachs, Rotbarsch, Hering, Pangasuis, Regenbogenforelle und Lachs zubereitet im Kochbeutel natur ohne weitere Zutaten und lernen vieles über Aussehen, Geruch, Textur.
Ines Lehmann vom Max-Rubner-Institut Hamburg führt amüsant und sehr kompetent durch die Veranstaltung.
Danach bleiben uns weniger als zwei Stunden Zeit für den Rest der Messe, die aber auch mehr als komplett ausreichend sind. Der Fisch verschwindet immer mehr zugunsten von Schokolade, Brot, Honig, Wein, Gewürzen, viel Senf, Marmelade, verschiedenenartigsten Ölen, Pfannen – zunehmend uninteressant. Ein originelles Erlebnis ist noch das Interview mit Gernot Riedl, Leiter des Slowfood-Conviviums Bremen, über die Esskultur im Norden. Die angeschlossenen Reise- und Caravan-Wohnmobilmessen, in die wir noch einen Blick werfen, sind für uns mehr als langweilig, weil sie nur den allgemeinen Massengeschmack bedienen.
Gleich danach treffen wir uns am Service-Point im Bahnhof mit meiner ehemaligen Schülerin Tina und ihrem Freund Lars. Wir erkennen uns gleich wieder, obwohl wir uns mehr als 15 Jahre nicht gesehen haben und wir beide inzwischen die Haarfarbe und -länge gewechselt haben – und das Alter. Wir fahren mit ihnen beiden auf ein Dorf bei Bremen, Scharmbeckstotel. Sie bewirten uns köstlich mit Lammfilet in Gemüse mit Reis und pfälzischem Rotwein. Der Abend zwischen Vergangenheit und unserer aller Zukunft ist so spannend, dass wir abbrechen müssen, um einigermaßen rechtzeitig ins Bett zu kommen und nicht allzu tief ins Glas zu gucken.

Veröffentlicht unter eigenes Ziel | Verschlagwortet mit , , , , , | Kommentare deaktiviert

5. November: Nach Bremen

Von Düsseldorf nach Bremen. Stadtrundgang mit Schnoor, im Viertel, Zentrum mit Ratskeller

In Düsseldorf übernachten wir wieder im “Max Hotel garni” bei der freundlichen Petra Dückinghaus. Im Frühstücksraum laufen auf drei Bildschirmen Comics, zum Glück ohne Ton, dieses Mal vom legendären HB-Männchen “Wer wird denn da schon in die Luft gehen” oder so ähnlich. Passend gibt es mehrere Sequenzen zum Thema “Reisewahn mit der Eisenbahn“, sehr amüsant und wieder eine Kindheitserinnerung.
Auf dem Weg zum Bahnhof fallen mir die vielen Erotic-Shops auf, samt Ankündigung einer ebensolchen Messe. Es gibt noch mehr Baklawa-Läden, Teestuben und Dönerbimbisse, wer soll das denn alles nur konsumieren? Auf der Kreuzung Stresemannplatz gibt es auf allen Inseln und Ecken Palmen, Gräser und sonstiges Grün, gepflanzt in Autoreifen, die auch als überdimensionierte Aschenbecher genutzt werden, etwas merkwürdig inmitten von Straßen- und Verkehrsgewirr. Ist das ein Verkehrsübungsplatz oder eine Rennstrecke?
Düsseldorf verlassen wir Richtung Bremen pünktlich, bei Dortmund wird es dunkler, ab Münster feucht, aber es ist mit 14 Grad sehr warm. Das “U” der ehemaligen Dortmunder Unionsbrauerei erstrahlt nach jahrzehntelangem Vergessen wieder golden, jetzt als Kulturzentrum. Direkt unter dem “U” laufen Videoproduktionen mit Meeresbrandung, die sogar aus dem Zug zu sehen sind.
Kurz nach Münster endlich: das platte Land mit Kühen, Bauernhöfen mit Fachwerk oder Klinker, ich fühle zu Hause.
Am frühen Nachmittag Ankunft in Bremen, auch unser eigenes Ziel, denn wir wollen morgen dort die Slowfood-Messe “Slow Fisch” besuchen. – Der Hauptbahnhof soll laut Reiseführer einer der schönsten in Deutschland sein, er sieht groß und ehrwürdig aus, aber bei diesem trüben Wetter strahlt er nicht so. Innen erinnert er an Grand Central New York in klein. Wir lassen unser Gepäck im Schließfach und besichtigen die Stadt. Meine ehemalige Schülerin Tina, bei der wir die übernächste Nacht nächtigen dürfen, gibt uns Tipps zur Besichtigung. Neben all den touristischen Attraktionen wie Schnoor und Böttcherstraße gibt es noch das “Viertel”, wir lesen nach: “nirgendwo in Deutschland gibt es einen so großen Anteil linker und grüner Wähler wie im Freistaat Ostentor”, eine bunte Mischung. Wir werden auch sofort von einem gleichaltrigen ergrauten Herren auf besondere Motive “weil Sie so eine tolle Kamera haben” hingewiesen. Die Läden haben so kreative Namen wie “Anziehungskraft” und “Genusshaus”. Wir sind begeistert, es wird viel zu früh dunkel, wir werden wiederkommen.
Tina empfiehlt den “Bremer Ratskeller” zwischen Roland und den Stadtmusikanten, wenn wir so richtig regional essen wollen, auch diesem Hinweis von ihr folgen wir und sind alles andere als enttäuscht. Ein 600 Jahre altes Gewölbe mit Holznischen. Ganz besonders hat es uns der Nachtisch angetan “Knusper-Lasagne vom Bremer Klaben und Mousse von Bremer Edelschokolade”, ein richtiger Bremer Genuß.

Veröffentlicht unter eigenes Ziel | Verschlagwortet mit , , | Kommentare deaktiviert

4. November: Grünkohl in Düsseldorf

Nach Düsseldorf zum Grünkohlessen mit Altbier in Schumachers Brauerei

Das Kofferpacken für die nächsten elf Tage mit einem kleinen, für mich noch tragbaren Koffer mit warmer Kleidung für den kühlen Norden ist eine echte Herausforderung, bevor die eigentliche Reise losgeht.
Wir starten am Nachmittag nach Düsseldorf zum Grünkohlessen, eines meiner Lieblingsgerichte, das die Brauerei-Gaststätte Schumacher anbietet. Wir hatten bei unserem letzten Besuch im Brauhaus schon davon erfahren. Also unser eigenes Ziel: eine Erinnerung an die Kindheit – Erinnerungen bestehen ja nicht nur aus visuellen, sondern auch aus Geschmacks- und Geruchserlebnissen.
Das Nebenzimmer ist passend für das Essen hergerichtet mit allerlei essbarer Tischdekoration. Als Aperitif gibt es einen “Samtkragen”, ein Korn mit Boonekamp oben drauf – für die Herren, die Damen bekommen Cidre.
Wir sitzen mit weiteren drei Damen und einem Herrn zusammen am Tisch und unterhalten uns prächtig über die Vorzüge Düsseldorfs gegenüber Köln (kommt mir irgendwie bekannt vor, erinnert mich an MA-LU), wie man verhindert, dass ein Alt nach dem anderen unaufgefordert kommt, so wie es hier Sitte, aber für uns ungewöhnlich ist. Das war übrigens nicht unser Bierdeckel – es gab allerdings drei Helfer!
Die „Köbesse“ amüsieren sich mächtig, dass ich auf jeden ihrer Scherze reinfalle, die hier zum Kneipenbesuch mit dazu gehören, ebenso wie die trockene direkte Art, an die ich mich erst wieder gewöhnen muß. Es stellt sich raus, dass die drei Damen Schwestern sind und der einzelne Herr der Angetraute einer der Schwestern ist, der die Damenüberzahl sehr genießt.
Der Grünkohl samt aller Beilagen ist ganz vorzüglich, so kann der Winter kommen.
Für die Ohren ist auch gesorgt, es wird sogar auf Wünsche eingegangen, die die Schwestern äußern: “Ein Stern, der Deinen Namen trägt”, davon hatte ich noch nicht gehört.
Heute haben wir viel gelernt von drei Einheimischen und einem schwäbischen Migranten, der laut Meinung der Schwestern in 40 Jahren bestens integriert wurde.

Veröffentlicht unter eigenes Ziel | Verschlagwortet mit , , , | Kommentare deaktiviert

Vorbereitungen für die neue Reiseetappe

So sieht Joachims Vorbereitung für die Zugverbindungen der nächsten elf Tage aus, das hat er als Mathematiker geschrieben, und ich brauche lange, bis ich das alles verstanden und in meinen Kalender übertragen habe.
Der Tag vergeht wie im Flug mit Telefonaten zur Zimmerreservierung und noch anderen Auskünften für die Zielorte der Ideengeber. Die Dialekte am anderen Ende der Leitung bestärken das Fernweh.
Wir gönnen uns noch die „Zukunftsrede 2010“ von Volker Braun im Ernst-Bloch-Zentrum, bevor wir in die eigene ganz nahe Zukunft reisen, auf deren Abenteuer wir schon sehr gespannt sind.

Veröffentlicht unter Über das Projekt | Verschlagwortet mit | 1 Kommentar

Unsere nächsten Reisen:

Dieser Artikel wird nicht weiter gepflegt. Die Informationen sind immer aktuell zu finden
direkt auf der Hauptseite oben unter “Hinweise und Pläne”
und unter “Statistik” in der oberen Navigationsleiste.

neu veröffentlicht: Über uns
von Anfang bis Mitte November geht es elf Tage lang über Düsseldorf mit Grünkohlessen nach Bremen zur “SlowFisch”-Messe, dann weiter nach Bremerhaven, Bad Bederkesa, Spiekeroog und, wenn alles so klappt, Hankensbüttel. Wir können es schon gar nicht mehr abwarten!!

Veröffentlicht unter Über das Projekt | Verschlagwortet mit | 2 Kommentare

27. Oktober: Ausflug in die Pfalz

Marlis’ Busabenteuer bei der Powerfrauen-Wanderung in der Pfalz

Heute sind wir eigentlich gar nicht in Sachen Reisejahr “on tour”, sondern eher zu Hause aktiv.
Ich habe mich schon vor einigen Wochen zur Teilnahme an einer Wanderung “Powerfrauen auf Hüttentour”, die von Sylvia Etzbach, Kultur- und Weinbotschafterin der Pfalz, organisiert wird, angemeldet. Die Erlebnisse mit der Deutschen Bahn und dem Nahverkehr auf dem Weg zum Ausgangspunkt der Tour in Gleisweiler, südliche Weinstraße, haben mich doch dann sehr gereizt, diese aufzuschreiben.
Meine Freundin Annette aus Berlin ist bei uns zu Besuch, und ich will ihr hiermit die Pfalz zeigen und ebenso den Umgang mit öffentlichen Verkehrsmitteln näherbringen.
Wir starten am Fahrkartenautomat für einen Fahrschein für sie, ich habe sogar zwei: die Bahncard 100 und noch mein “Grufti-Ticket”, die Karte ab 60.
Wir haben nur einen € 50 Schein, den der Automat nicht frißt, wir haben keine Geldkarte und kein Kleingeld im Gepäck. Der Umtausch des Geldscheins auf der Straße gelingt nicht.
Der Zug fährt in LU-Mitte ein samt mobilem Fahrkartenautomat und derselben Schwierigkeit mit den Geldscheinen, die wir aber mit den Benutzern des Zuges gelöst kriegen, Kontaktaufnahme ist angesagt, für Annette und mich kein Problem. Aber haben wir die richtige Fahrkarte?, denn der Automat spuckt uns nur ein “Erlebnisticket” mit kostenlosen Besuchen der Museen in Sinsheim und Speyer aus, die wir heute sicher nicht besuchen werden. Die nachfolgenden Busfahrer werden das schon kontrollieren.
In Neustadt angekommen, steht der richtige Bus 501 bereit, nur der ausgewiesene Zielort am Bus stimmt nicht und die Busfahrerin verweist uns auf einen späteren Bus, der direkt durchfährt, aber uns zu spät am Zielort ankommen ließe. Ich beharre auf der ausgedruckten Verbindung. Weiter fährt uns ein Schulbus, der eigentlich, entgegen der Fahrplaninfo im Internet, keine weiteren Gäste aufnehmen will. Ich halte ihm den ausgedruckten Fahrplan ans Fenster, daraufhin macht er zum Glück die Tür auf. Nach kurzer Diskussion nimmt er uns und noch zwei weitere Reisende mit. Zuverlässig sagt er uns auch, wo die Haltestelle im Ort ist, an der er 5 Minuten früher ist. Über einen kurzen Fußweg durch Gleisweiler erreichen wir den Parkplatz, wo sich die muntere Damenwandergruppe trifft. Bevor es losgeht, gibt es die “obligatorische Kofferraum-Weinprobe” mit zwei Rotweinen aus Gleisweiler und Schokolade, eine perfekte Einstimmung.
Gleisweiler gilt als das “Nizza der Pfalz”, wir sind uns aber alle einig, dass Gleisweiler eben Gleisweiler ist wir hier gar kein Nizza brauchen.
Die Wanderung geht elf Kilometer lang bei bedecktem Himmel über eine ehemalige Walddusche von 1849 zur Landauer Hütte, über den Dreimarker und die ebenfalls geschlossene Hütte Trifelsblick zur St. Anna-Hütte, die schon vorher eine agile Seniorengruppe alle 14 Tage mittwochs stürmt samt Wein, Weib und Gesang. Leider habe ich das Sprachaufzeichnungsgerät nicht dabei – der Gesang wäre zu schön gewesen. Es gibt unter anderem “Schiefen Sack mit Kraut und Brot” zu essen, dessen Bedeutung ich erst viel später durch mein Foto verstehe. Zurück über den Weinwanderweg erreichen wir Gleisweiler, leider hat der Panorama-Ausblick des im englischen Stil angelegten Landschaftsparks der “Privatklinik Bad Gleisweiler” auf die Rheinebene gerade seit 18 Uhr geschlossen, wie schade.
Der Rückweg mit Bus und S-Bahn gelingt ohne Probleme, ich höre mich sagen “die Rückfahrt war total langweilig (meine Begleiterin ist irritiert, weil wir uns doch so gut unterhalten haben), es hat ja alles geklappt”. Ich glaube es selber nicht, wie schnell ich von Anspruch auf Abenteuer umgestiegen bin!!!!!!!!!!!

Veröffentlicht unter Zusatzreise | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentare deaktiviert

22. Oktober: Geroldsau

Von Horb über Pforzheim nach Geroldsau und Wanderung durch die Schlucht (Ziel: Helmuth), Rückfahrt

Heute war der erste Nachtfrost mit -5°, den haben wir doch glatt verschlafen. Rauhreif macht die Dächer weiß. Vom Bett aus fällt der Blick direkt auf den herbstlichen Schwarzwald auf der anderen Neckarseite.

Um 10:53 Uhr geht es von Horb am Neckar mit der Kulturbahn (die Strecke Tübingen – Horb – Pforzheim wurde so getauft, weil sie viele Orte mit Kulturdenkmälern berührt) vorbei an Rauhreifwiesen, Bächen, Bad Liebenzell und zwei Bedarfshaltestellen, ähnlich wie in Niederbayern, über Pforzheim und Karlsruhe nach Baden-Baden. Bis hierher haben wir RB, IC und ICE benutzt. Wir steigen in den Bus Richtung Mummelsee und verlassen ihn am Ende von Geroldsau. Das Gepäck verwahren wir im Schließfach in Baden-Baden.
Ideengeber Helmuth schickt uns an einen Ort, “der mir sehr ans Herz gewachsen ist, ein Naturerlebnis der ganz besonderen Art: zu den Wasserfällen in Geroldsau bei Baden-Baden.”
Wir porträtieren uns vor jedem Ort, den wir für unsere Ideengeber aufsuchen. Jetzt sind wir nach anfänglichen mäßigen Ergebnissen kreativer geworden und benutzen das handliche Gorilla-Stativ, weil wir ja beide samt Ortsschild zu sehen sein wollen. Das dauert eine Weile.
Wir starten die Wanderung bei hochnebelbedecktem Himmel um 14:40 Uhr und folgen dem Grobbach durch sein wildes Tal. Das Bachbett ist voller bemooster Felsen, es rauscht und schäumt ständig. Der zu dieser Jahreszeit einsame Weg windet sich entlang des Baches durch einen schluchtartigen, recht unberührten Wald. Der Rhododendron, der an manchen Stellen großflächig das Unterholz überwuchert hat, erinnert Joachim an Irland.
Wir entdecken durch den ersten Frost abgeschlaffte Pilze an einem Baumstamm. Sieht aus wie Pilzschlamm. Der Bachlauf ist wirklich wildromantisch, da hat Helmuth mit seiner Beschreibung absolut recht. Der Grobbach ist so laut, dass er selbst bei mäßigem Wasserfluss die Handys in der Tasche übertönt. Das ist gut so.
Helmuth hat uns seine Fotos der letzten Wanderung dort von Anfang Juni 2010 zur Beschreibung der Tour zur Verfügung gestellt, wir kommen beide spontan auf die Idee, sie genauso nachzufotografieren, allerdings nun gut vier Monate später im Herbst. Nach einigem Kombinieren finden wir alle Aufnahmeorte wieder, aber es sind komplett andere Stimmungen. Wir sind selbst erstaunt, dass es genau die gleichen Standorte sind.
Wir sind begeistert von dieser Wanderung, von der wir bisher nichts gewusst haben und die wir, obwohl oft in Baden-Badens Umgebung, ohne Helmuth sicher niemals hier gewandert wären. Dennoch: ein kleiner Wehrmutstropfen bleibt, denn wir sollten hinter dem Wasserfall das Rasthaus Bütthof besuchen, das ausgerechnet heute eine geschlossene Gesellschaft bewirtet. Hier scheint aber manchmal richtig was los zu sein, an der Zufahrt steht eine fernsteuerbare Ampel, und am Haus prangt das Schild “Wer hier parkt, fährt auf den Felgen heim”, ein Spruch des „bissigen“ Wirtes.
Wir wandern nach allen gefundenen Fotoaufnahmeorten von Helmuth weiter zu einer steinernen Brücke über den Bach, Joachim will noch weiter zu einer zweiten, deren Besichtigungssinn ich nicht einsehe. Das wird dennoch zu einem guten Erlebnis: dort tauchen unvermittelt zwei schwere Forstfahrzeuge auf, eines davon trägt das Nummernschild mit dem Kennzeichen “…JK 1010″! Das passt zu unserem Reisejahr und zusammen mit den Büffeln, die auf einer Wiese weiden, entschädigt mich das für den nur widerwillig akzeptierten Umweg.
Der Weg zurück geht autobahnmäßig breit bergab, entlang des rauschenden Grobbaches.
Wir erreichen Geroldsau um 18 Uhr und kehren in den “Auerhahn” ein. Der Bus bringt uns unerwartet zügig direkt an den Bahnhof Baden-Baden – am Augustaplatz wechselt er einfach ohne Pause die Busnummer, das konnte die Bahnauskunft ja nicht ahnen! So gibt’s am Bahnhof eine längere Pause, wir fangen schon an zu tippen. Dann sind wir schnell zurück in LU.
Leider ist unsere zweite Reiseetappe, die nur aus zwei Tagen bestand, viel zu schnell zu Ende, so dass ich meinen Alltag gleich wiedererkannt habe.

Veröffentlicht unter Ziel Ideengeber | Verschlagwortet mit , , , , , , | 1 Kommentar

21. Oktober: Bildechingen

Stuttgart 21 auf dem Weg nach Horb, Wanderung nach Bildechingen auf den Friedhof (Ziel: Julia), Kirchenführung mit der Küsterin

Endlich geht es wieder los, ich konnte den Reisestart schon gar nicht mehr abwarten.
Das Kofferpacken am Vorabend geht mir schon leichter von der Hand.
“Reisen macht süchtig” schreibt Klaus Kufeld in seinem Kommentar – ich bin es jetzt schon.
Wir rennen mal wieder, um die S-Bahn vor unserer Haustür in LU-Mitte zu erreichen, da gibt es noch Verbesserungsmöglichkeiten!
Heute hat das Reiseabenteuer erst so richtig begonnen, denn nach Horb am Neckar, genauer nach Bildechingen, wären wir ohne Julias Erinnerungsort wohl nie gekommen! Nach Köln reisen kann jeder, das fällt einem schon eher ein (allerdings kaum Köln-Ehrenfeld).
In Stuttgart erreichen wir wegen 8 Minuten Verspätung nicht unseren Anschlusszug nach Horb am Neckar. Darüber sind wir gar nicht traurig, denn für Stuttgart 21 vor Ort interessieren sich nicht nur wir, auch Katharina und andere hatten nachgefragt – Bahnfahren für ein Jahr ohne Auseinandersetzung mit diesem Großprojekt geht nicht! Auf den Gleisen und in der Bahnhofshalle wirkt alles so wie immer, aber das ändert sich, als wir zum Nordausgang gehen: neben Gleis 1 scheint es ziemlich offen, da steht ein Bauzaun, und ein Security-Herr beobachtet uns beim Fotografieren. Draußen, wo bisher der Nordflügel stand, empfängt uns ein langes Gitter, behängt mit teils sehr persönlichen Statements, samt vieler Menschen, die diese Mitteilungen lesen, und ein Infozelt. Am Hauptgebäude fällt der Anschluss des abgerissenen Flügels wenig auf. Direkt vor dem Hauptbahnhof auf dem Mittelstreifen sehen wir einen großen Blumenschmuck mit Kerzen, wohl ein Verkehrsunfall. Am Schlossgartenflügel im Süden angelangt, beeindruckt uns die Größe des Flügels, der abgerissen werden soll. Das Gebäude sieht so aus, als steht es schon länger leer. Im Schloßgarten erkennen wir, nur aus der Ferne betrachtet, einige Zelte und Protestwände entlang der gefällten Bäume.
Wieder im Zug: die Zeit im Schweizer IC mit herrlich schwiezerdütsch sprechendem Begleitpersonal vergeht so schnell, dass wir fast den Ausstieg in Horb am Neckar verpassen. Am gegenüberliegenden Bahngleis steht eine rote “Kulturbahn” – was es so alles im Ländle gibt. Auch hier ist eine Bahnhofsbaustelle – am Zaun wird für die Teilnahme am Protest gegen Stuttgart 21 geworben.
Die Stadt Horb empfängt uns romantisch mit Dorfmitte samt Kirche am gegenüberliegenden Berghang mit einem so kleinen Neckar, dass wir das zuerst für irgendeinen Bach halten, aber dann eines besseren belehrt werden. Wir haben wieder schönes Herbstwetter.
Das neu renovierte Hotel Goldener Adler liegt an der stark befahrenen B14 Richtung Stuttgart, unser Zimmer zum Glück nach hinten raus. Wir sehen auch im weiteren Verlauf des Tages sehr viele große LKW’s auf den Landstraßen.
Bevor wir zu Julias besonderem Ort, dem Friedhof in Bildechingen aufbrechen, statten wir noch dem ansehnlichen bergigen Ortszentrum samt Kirche einen Besuch ab, samt Café Kipp mit Sonnenterrasse hoch über dem Neckar.
Nun geht es über mehr als vier Kilometer, zumeist bergauf, vorbei an Vororten mit Einfamilienhäusern, über Gewerbeparks mit Baumärkten und Kreisverkehren, endlich hinaus aufs freie Feld, schon mit weitem Blick auf Bildechingen. Bei einem Wegkreuz zwischen zwei Bäumen – Naturdenkmal! – nehmen wir die direkte Blickachse zur Wallfahrtskirche “Zur schmerzhaften Mutter Gottes” (das erfahren wir erst später von der Küsterin) wahr, die direkt am Friedhof steht. Schafe grasen auf der Weide. Bildechingen wirkt verschlafen, leer und hatte früher sicher mal viele landwirtschaftliche Betriebe. Ein großer leerer Linienbus ohne erkennbares Ziel kreist herum. Ohne Mühe finden wir den Friedhof, auf dem Julias Großeltern ihre letzte Ruhe gefunden haben. Von hier aus geht der Blick weit “über die freie Landschaft”, ganz so wie Julia es beschrieben hat. Wirklich ein “ganz besonderer Ort”, der sich uns heute im buntem Herbstlaub und abendlicher Sonne zeigt. Auf der Grabsteinkante liegen viele Steine, auf den anderen Grabsteinen nicht. Ich lege eine Blume dazu.
In der am Friedhof liegenden Wallfahrtskirche treffen wir die Küsterin, die uns in schwäbischem Dialekt die Kirche und den direkt angegliederten Neubau von 1962, eine Doppelkirche, die auch zusammen genutzt werden kann, erklärt. Sie kannte sogar noch Julias Großeltern persönlich, was für ein Glück! Sie erklärt uns auch, wie es zu dem Ortsnamen kam, mehr kann man sich gar nicht wünschen. Und sie ließ sich sogar noch per Sprachaufzeichnung ausgiebig interviewen. Ich bin restlos glücklich, auch darüber, dass ich den Mut aufgebracht habe, sie dazu zu überreden.
Und jetzt kommt Joachims Glück: der Rückweg bei untergehender Sonne und niedrigen Temperaturen hätte sich noch weit über eine Stunde ausgedehnt, wenn da nicht die Bushaltestelle “Rathaus” in der Ortsmitte gewesen wäre. Joachim geht vor, studiert den Plan: alle ein bis zwei Stunden einer, er liest den nächsten: 17:25, schaut auf die Uhr: 17:25, dreht sich um – da steht der Bus, er hat sich angeschlichen. Er nimmt uns als einzige Fahrgäste gerne auf und läßt uns in der Ortsmitte Horb wieder raus. Auf den Fahrpreis gibt’s sogar Bahncard-Rabatt. Joachim bekommt einen zufällig entdeckten, als absolut wasserdicht angepriesenen, hier handgearbeiteten Filzhut für unser weiteres Reisejahr verpasst, Foto im Einsatz folgt. Der Panama-Hut kann also für den Winter zu Hause bleiben.
Beim Zwiebelrostbraten im Goldenen Adler zum Abend ist die lautstarke Diskussion einer schwäbischen Altherrenrunde über Stuttgart 21 unüberhörbar.
Das Hotel gefällt uns, es ist sehr stimmig und designorientiert eingerichtet.
Julia, wir danken dir für diesen ereignisreichen Tag!

Veröffentlicht unter Ziel Ideengeber | Verschlagwortet mit , , , , , , | 2 Kommentare

13. Oktober: Hochzeitstag in Düsseldorf

Düsseldorf: Kö, Altstadt, Rheinufer, Kneipenviertel am alten Industriehafen

Die Geschäftsführerin im Hotel Max garni in Düsseldorf ist so freundlich, das Frühstück zu den Wunschzeiten des Gastes zu servieren “wenn es nicht gerade 12 Uhr ist”. Ich mache mit ihr das erste kurze Interview mit unserem neuen Aufnahmegerät. Es klappt vorzüglich.
Heute ist unser Tag, denn es ist unser zehnter Hochzeitstag und Düsseldorf ist unser privates Ziel, also müßte ich auch kein Tagebuch schreiben, tue es aber trotzdem, um in Übung zu bleiben.
Heute sind die Kö, ein paar andere Geschäfte, die Altstadt und das Rheinufer dran und das neue Kneipenviertel am alten Industriehafen. Die Königsallee hat so ein bißchen was von der Champs Elyseé: viele gut angezogene Frauen mittleren Alters,  perfekt geschminkt, so dass man das Alter übersieht, tummeln sich in den eleganten Geschäften. Ausgerechnet am Hochzeitstag schlägt Joachim vor, den Kaffee im “Starbucks” einzunehmen, leider widerspreche ich nicht. Wir erreichen den Rhein erst, als die Spätnachmittagssonne schon die vielen Essstände an den Kasematten vergoldet. Wir lassen uns an einem Tisch von Gosch nieder, schauen den Schiffen zu und fragen uns, wann wir sie wohl bei uns in Ludwigshafen wiedersehen. Kaum ist die Sonne verschwunden, wird es kalt. Wir holen unser Gepäck, verabschieden uns von der netten Geschäftsführerin des Hotels und versprechen, wiederzukommen. Sie leitet das Hotel erst seit Mai.
Um 19:27 Uhr fährt der ICE 615 uns nach Mannheim, wo wir, hoffentlich pünktlich, um 21:24 Uhr ankommen werden.
Das waren  unsere ersten sechs Reisetage, davon vier des Reisejahres. Es hat mir so gut gefallen, dass ich gar nicht nach Hause will, aber in der nächsten Woche sind ja wieder zwei Tage dran, Horb am Neckar und Baden-Baden sind geplant.

Veröffentlicht unter eigenes Ziel | Verschlagwortet mit , , , | 3 Kommentare